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Seifenkraut

Saponaria officinalis

Echtes Seifenkraut, Waschkraut, Waschwurz, Waschlaugenkraut, Rote Seifenwurzel, Hustenwurzel, Speichelwurz, Hundsnelke

Das Seifenkraut ist eine mehrjährig wachsende, winterharte Pflanze aus der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae). Die Gattung Saponaria umfasst etwa 30 Arten. Das Seifenkraut ist in Europa, Westsibirien und Vorderasien heimisch. An die Bodenbeschaffenheit stellt die Pflanze nur geringe Ansprüche, mag jedoch keine Staunässe. Es wächst bevorzugt auf lockeren Böden und ist auf Schutt- und Brachflächen, an Bahndämmen, auf sandigem Untergrund und auch an Wegrändern oder im Gebüsch zu finden, ebenso in Auenlandschaften und an Flussufern. Das Seifenkraut bildet einen weitverzweigten Wurzelstock mit einer rübenartig verdickten Primärwurzel aus. Die fingerdicken Rhizome sind außen rotbraun und innen gelb. Aus dem Wurzelstock wachsen rot überlaufene, aufrechte Stängel, die schnell dichte Bestände bilden. Sie werden bis zu 80 cm hoch, sind kantig gegliedert, feinflaumig behaart und an den Knoten etwas verdickt. Weiter oben sind die Stängel verzweigt. Die länglichen, ungestielten Blätter mit einem rauen Rand sind kreuzgegenständig angeordnet. Sie sind dunkelgrün, auffällig dreinervig geadert und unbehaart. Die Blüten sind rosafarben, weiß oder gefüllt. Sie stehen in rispenartigen Blütenständen an den Enden der Stängel. Fünf blassgrüne, verwachsene Kelchblätter bilden eine Röhre, in der sich fünf Kronblätter, zehn Staubblätter und der Griffel mit zwei Narbenästen befinden. Die Blüten verströmen einen schwachen Duft, der abends und nachts am stärksten ist und langrüsselige Schmetterlinge, überwiegend Nachtfalter, anlockt. Das Seifenkraut ist giftig für Hunde, Katzen und Pferde, ebenso für Nagetiere und Amphibien. Blütezeit: Mai bis September Die Frucht ist eine sich vierteilig öffnende eiförmige Kapsel, die zahlreiche nierenförmige schwarzbraune Samen enthält.

Steckbrief

- Pflanzenfamilie: Nelkengewächse Caryophyllaceae
- Anwendungsbereich: Atemwegserkrankungen, Harnwegserkrankungen
- Blütenfarbe: rosa, Weiß
- Giftigkeit: ungiftig
- Lebensdauer: mehrjährig

Blütezeit

Mai bis September

Verwendete Pflanzenteile

Wurzel, Kraut

Inhaltsstoffe

Verschiedene Saponine, Flavonoide, Zucker, ätherische Öle, Harze

Heilwirkung

Die Saponine der Seifenkrautwurzel wirken antibakteriell, antiviral und pilzhemmend. Sie verflüssigen zähen Bronchialschleim und wirken zudem auswurffördernd. Deshalb wurde die Wurzel früher als hustenlinderndes Mittel genutzt. Heute wird sie nur noch selten in Kombinationspräparaten verwendet.

Seifenkraut ist ein mild wirkendes Reinigungsmittel bei empfindlicher, irritierter Haut. Mit dem Teeaufguss der Pflanze können chronische Hautleiden behandelt werden, z.B. Psoriasis, Neurodermitis, Ekzeme und Akne. In der Homöopathie wird das Seifenkraut bei Erkältung und Kopfschmerzen genutzt, volksheilkundlich auch bei Rheuma, Gicht und Blasenentzündung.

Nebenwirkungen

Bei längerer Einnahme oder in zu großer Dosis können die Saponine reizend auf die Magenschleimhaut wirken und Brechreiz erregen.

Geschichtliches

Der Gattungsname ist lateinischer Herkunft und von „sapo“ (Seife) abgeleitet. Der Artname weist darauf hin, dass das Seifenkraut eine alte Arzneipflanze ist.

Arabische Ärzte sollen die Pflanze bereits gegen Flechten, Lepra und bösartige Geschwüre verordnet haben. Im alten Rom wurde die Pflanze als Badezusatz genutzt. Die Kräuterbücher des Mittelalters erwähnen die Seifenkrautwurzel bei der Behandlung von Atemwegserkrankungen.

Wegen der Saponine, die in Verbindung mit Wasser schäumen, wurden Wurzel und Kraut der Pflanze im Mittelalter zur Reinigung von Wäsche, Teppichen und empfindlichen Stoffen genutzt. Zuvor sollen schon die Griechen und Römer die Pflanze eigens als Waschmittel angebaut haben. In Restaurationsbetrieben wird Seifenkraut auch heute noch zur schonenden Reinigung von antiken Polstern, Textilien und Teppichen genutzt.

Saporin, ist eine giftige Eiweißverbindung, die aus der Wurzel des Seifenkrauts gewonnen wird. Sie gilt als „molekulares Skalpell“ und wird in der biochemischen Forschung eingesetzt, um bestimmte Zelltypen zu eliminieren. Für die Anwendung am Menschen ist Saporin nicht zugelassen.

In der Türkei wird der Extrakt der Seifenkrautwurzel traditionell zur Herstellung von Halva, einer Süßigkeit, verwendet. Die Grundmasse von Halva ist ein Mus aus Ölsamen, Honig, Zucker oder Glukosesirup, das durch Zugabe von Vanille, Kakao, Mandeln oder Pistazien verfeinert wird. Der Extrakt der Seifenkrautwurzel verhindert, dass sich Öl aus der Masse absondert. Bis 2008 war in der EU die Zusetzung des Seifenkrautwurzelextrakts jedoch nicht zugelassen. Dennoch wurde der Extrakt zugegeben. Durch Intervention der Türkei wurde der Seifenkrautextrakt nun nicht mehr als Lebensmittelzusatzstoff eingestuft, sondern als „charakteristische Zutat“, und somit ist er zulässig.

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