Gewöhnliche Nachtkerze
Heilpflanze des Jahres 2026
Nachtlicht, Eierblume, gelbe Rapunzel, gelber Nachtschatten, Nachtschlüsselblume, Donnerkerze, Sommerstern, Rübenwurzel, Schinkenwurzel, Schlafende Jungfrau, Faules Mädchen, Hustenblume
Die Nachtkerze ist eine invasive zweijährige krautige Pflanze. Mit 120 bis 200 Arten gehört sie zur Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Sie stammt aus Nordamerika, ist in ganz Europa verwildert an Bahndämmen, Wegrändern, Böschungen und Schutthalden anzutreffen und bevorzugt trockene Standorte und volles Licht. Im ersten Vegetationsjahr bildet die Pflanze aus einer fleischigen Pfahlwurzel eine an Boden liegende Rosette mit eiförmigen Basisblättern, die durch eine auffällige glänzende Mittelrippe gekennzeichnet sind. Die Farbe der schmackhaften Wurzel, die sich ähnlich zubereiten lässt wie Steckrüben, Pastinaken oder Schwarzwurzeln, ähnelt der von gekochtem Schinken. Erst im zweiten Jahr wächst aus der Rosette ein unverzweigter oder nur im oberen Teil verzweigter, kantiger, leicht behaarter Stängel, der rot überlaufen sein kann und bis zu 2 m hoch wird. Die schmalen, verkehrt lanzettlichen, ganzrandigen Laubblätter sind kleiner als die Blätter der Grundrosette. Sie stehen wechselständig am Stängel. An den Spitzen der Stängel bilden sich in ährenförmigen Blütenständen zahlreiche vierzählige, gelbe Blüten. Sie öffnen sich am Abend innerhalb weniger Minuten und bleiben die ganze Nacht und den folgenden Tag geöffnet. Bei keiner anderen Pflanze in Mitteleuropa wurde eine derartige Schnelligkeit beim Aufblühen beobachtet. Ständig bilden sich auch neue Blüten, die während des Öffnens geruchlos sind und erst später intensiv und vanilleartig duften. Beim Öffnen der Blüten stäuben zuerst die Staubblätter, erst später reift die Narbe heran. Zahlreiche Insekten - überwiegend Nachtfalter, am Tage auch Bienen, Hummeln und Tagfalter - sorgen für die Bestäubung der Blüten. Der Nektar der Blüten kann jedoch nur von langrüsseligen Insekten erreicht werden. Blütezeit: Juni bis Oktober Die Samen bilden sich in einer etwa 3 cm langen Kapsel. Die Nachtkerze ist sehr ausbreitungsstark, denn jeder Haupt- oder Seitentrieb kann bis zu 120 Blüten hervorbringen, die in jeder Samenkapsel bis zu 200 schwarze, harte Samen enthalten.
Steckbrief
- Pflanzenfamilie: Nachtkerzengewächse Onagraceae
- Anwendungsbereich: entzündungshemmend, immunstärkend
- Blütenfarbe: gelb
- Giftigkeit: ungiftig
- Lebensdauer: zweijährig
Blütezeit
Juni bis Oktober
Verwendet Pflanzenteile
Samen, Blätter, Wurzeln, Blüten
Inhaltsstoffe
10% Gamma-Linolensäure (GLS), 60 – 80 %Linolsäure, Vitamin E (in den Samen) Gerbstoffe (bis zu 12%), Schleimstoffe, Harze (in den Blättern) Stärke, Eiweiß, Mineralstoffe (in den Wurzeln)
Heilwirkung
Besondere Heilwirkung wird dem Öl aus den Samen zugesprochen. Es enthält Gamma-Linolensäure, eine essenzielle, dreifach ungesättigte Omega-6-Fettsäure, die entzündungshemmend und immunstärkend wirkt. Sie unterstützt die Behandlung von Erkrankungen, für die ein erhöhter Bedarf an dieser Fettsäure vorliegt. Der Mangel an Gamma-Linolensäure führt zu einer Störung in der Bildung von Prostaglandinen, hormonähnlichen Substanzen, die an der Steuerung fast aller Organe beteiligt sind. Durch den hohen Anteil an Gamma-Linolensäure kann Nachtkerzenöl die Hautbarriere stärken, entzündliche Vorgänge im Körper günstig beeinflussen und das Hautbild verbessern. Überwiegend wird Nachtkerzenöl bei Ekzemen, Akne, Neurodermitis und Schuppenflechte eingesetzt, ebenso zur Behandlung von empfindlicher, trockener, alternder Haut. Bei Verwendung in Kosmetikprodukten wirken die Inhaltsstoffe beruhigend auf die reizempfindliche und juckende Haut. In Kapseln kann das Öl auch zur Vorbeugung von Arterienverkalkung, bei Herz-Kreislauf-Störungen, bei Allergien und rheumatischer Arthritis helfen. Es soll auch positive Effekte bei Nervenerkrankungen infolge von Diabetes, beim prämenstruellen Syndrom, Beschwerden in den Wechseljahren, bei Arthrose und bei der Behandlung von Hyperaktivität von Kindern geben. Wissenschaftliche Studien haben die antientzündliche Wirkung der Gamma-Linolensäure bestätigt. Die Kommission E hat die Wirkung der Nachtkerze noch nicht abschließend beurteilt. Wegen der Bedeutung der Pflanze in der Heilkunde wurde aber ein Pflanzenprofil erstellt. Die Blüten können als Dekoration zu Blattsalaten, Suppen und Nachspeisen dienen. Frische Blätter lassen sich im Frühling wie Spinat zubereiten. Äußerlich kann ein Breiumschlag aus den Blättern bei Prellungen und Quetschungen helfen. Tee aus den getrockneten Blättern wird wegen der Gerbstoffe, die die Schleimhäute beruhigen, volksheilkundlich gegen Durchfall, Magen-Darm-Beschwerden und Husten eingesetzt, Kranken Menschen soll das Gemüse aus der schmackhaften Wurzel zu neuer Kraft verhelfen.
Nebenwirkungen
Epileptikern wird von einer Einnahme des Nachtkerzenöls wegen möglicher Wechselwirkungen mit anderen Mitteln abgeraten.
Geschichtliches
Der Gattungsname leitet sich aus dem Griechischen her: „oino“ = Wein, „ther“ = Tier. Man glaubte, dass die vom Wein benetzte Pflanze das Jagdglück herbeiführen könnte. Der Artname „Biennis“ weist darauf hin, dass die Pflanze zweijährig wächst. Der britische Botaniker und Arzt Nicolas Culpeper nutzte die Nachtkerze in der Wundheilung und bei Frauenleiden. Wegen der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten wurde sie deshalb auch „Allheilmitttel des Königs“ genannt.
Die indigenen Völker Nordamerikas verwendeten die Nachtkerze, die als Symbol für Kraft und Gesundheit galt, als Nahrungspflanze und Allheilmittel. Aus der Wurzel wurde ein Wundpulver, aus den Blättern ein heilender Brei hergestellt. Die nussigen Nachtkerzensamen wurden über die Nahrung gestreut, mit zerstampften Samen in Breiumschlägen wurden Hautprobleme behandelt.
Durch die Seefahrer kam die Pflanze nach Europa und wurde 1612 erstmals im Botanischen Garten von Padua angepflanzt. Im Barockzeitalter war die Nachtkerze in den Prachtgärten sehr begehrt. Von dort ist sie ausgewildert und wurde in den Bauerngärten kultiviert. In Kriegszeiten wurden die Samen auch als Kaffeeersatz verwendet.Die Verwendung als Gemüsepflanze sorgte für ihre Verbreitung. Die schmackhaften fleischigen Wurzeln der Pflanze aus dem ersten Kulturjahr (im zweiten sind sie holzig und unbekömmlich) wurden – in Brühe gekocht – verzehrt. Das zarte Rosa der Wurzeln ließ die Menschen an Schinken denken, daher auch der Name „Schinkenwurzel“. Man glaubte auch, dass sie mehr Kraft verleihen könnte als Ochsenfleisch. Erst seit dem 20. Jh. beschäftigten sich die Mediziner mit den Samen der Pflanze.

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