Damaszenerrose
Heilpflanze des Jahres 2013
Die Damaszenerrose (Rosa damascena) wird einer alten Rosenklasse in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) zurechnet, zu der mehr als 2000 Arten gehören. Sie stammt nicht von der heimischen Heckenrose ab, sondern ist über Kreta, Griechenland und Rom nach Mitteleuropa eingewandert. Heute ist sie in allen warmen Zonen der Erde verbreitet und ist eine der Rosen, aus denen unsere Gartenrosen gezüchtet worden sind. Damaszenerrosen unterscheidet man in sommerblühende (einmal blühende) und herbstblühende Sorten (mit zwei Blühperioden im Sommer und im Herbst). Sie wachsen als Sträucher, die bis zu 3 m hoch werden können. Sie sind pflegeleicht, robust und winterhart, wurzeln tief und benötigen einen durchlässigen Boden an einem sonnigen Standort. Sie bilden lockere, bogig abstehende Triebe aus, an denen viele hakenförmige Stacheln sitzen. Die unpaarig gefiederten hellgrünen Blätter mit sieben Fiederblättchen weisen einen gesägten Rand auf. Die purpurfarbenen, rosa oder weißen Blüten wachsen an verhältnismäßig dünnen Stielen. Sie sind halb oder ganz gefüllt, stehen immer in Büscheln zusammen und verströmen einen schweren Duft. Sie werden von zahlreichen Insekten, überwiegend Solitärbienen aufgesucht, die Nektar und Pollen sammeln. Blütezeit: Juni, Juli Nach der Blüte bilden sich längliche Scheinfrüchte, die Hagebutten.
Die Rosa damascena „Trigintipetala“ ist eine mindestens 300 Jahre alte sommerblühende Sorte, die überwiegend zur Gewinnung des kostbaren Rosenöls angebaut wird. Auch aus Essigrosen (Rosa gallica) und Zentifolien (Rosa centifolia) wird Rosenöl gewonnen. Madame Hardy (1832) ist eine einmalblühende Damaszenerrose, die im Sommer weiße, dicht gefüllte Blüten mit einem grünen Auge in der Blütenmitte hervorbringt. Die Pflanze verträgt sogar Halbschatten und weniger fruchtbare Böden. Rose de Resht (vor 1880, kam um 1950 nach Europa) ist eine unempfindliche Sorte, die dicht gefüllte, purpurfarbene Blüten ausbildet. Nach der Hauptblütezeit bilden sich noch viele weitere Blüten.
Steckbrief
- Pflanzenfamilie: Rosengewächse Rosaceae
- Anwendungsbereich: Hautpflege
- Blütenfarbe: weiß, rot
- Giftigkeit: ungiftig
- Lebensdauer: ausdauernd
Sorten
Madame Hardy, 1832, weiß, kletternd,
Rose de Resht, vor 1880, purpurfarben,
York and Lancaster, 1551, weiß-rot (erinnert an die sogenannten Rosenkriege um das englische Königshaus 1445 - 1485)
Die größten Anbaugebiete von Damaszenerrosen liegen heute in Bulgarien.
Verwendete Pflanzenteile
Blütenblätter, die in den frühen Morgenstunden kurz vor dem völligen Aufblühen gesammelt werden.
Inhaltsstoffe
Ätherisches Öl, Gerbstoffe Das ätherische Öl der frischen Kronblätter enthält bis zu 400 verschiedene Einzelsubstanzen, z.B. Geraniol, Eugenol und Citronellol. Es dient vor allem als Grundlage für Parfüme und Kosmetika und wird industriell durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Das dabei anfallende Destillationswasser ist das Rosenwasser, das ebenfalls Heilwirkung besitzt. Rosenblütenblätter dienen auch zur optischen Verbesserung von Teemischungen.
Heilwirkung
Rosenöl gehört zu den kostbarsten Pflanzenölen. Wegen der Vielfalt an Inhaltsstoffen gilt es „Allheilmittel“ für innerliche und äußerliche Beschwerden. Es wirkt harmonisierend, stimmungsaufhellend, schmerzlindernd, beruhigend und entkrampfend und wird bei wunder, trockener Haut und Geschwüren, bei Nervosität, Ängsten und Depressionen, aber auch bei Herzrasen und Bronchitis verwendet. Es beruhigt die Nerven und kann Ängste oder Blockaden lösen. Es lindert Kopfschmerzen und fördert die Entspannung und den Schlaf. Rosenwasser kann zur Pflege bei Akne und bei fettiger und juckender Haut genutzt werden. Wegen der in den Rosenblüten enthaltenen Gerbstoffe kann ein Aufguss der Rosenblüten auch bei Zahnfleischentzündungen und bei Durchfall helfen.
Nebenwirkung
Nicht bekannt
Geschichtliches
Das Wissen um die Heilwirkung der Rose ist seit Jahrtausenden bekannt, - bereits seit der Antike werden Damaszenerrosen kultiviert. Ihr Name ist vom Städtenamen Damaskus abgeleitet, einer Stadt im heutigen Syrien, die für Damaszenerstahl (legendärem Stahl mit dekorativer Musterung), Damast (Gewebe mit besonderem Glanz) und Rosen bekannt ist. Vermutlich kamen die Rosen mit den Kreuzrittern über Frankreich nach Europa. Hauptanbaugebiete für Rosen liegen heute in Bulgarien, im Iran und in der Türkei.
Schon immer wurden die Blütenblätter von Damaszenerrosen zu kosmetischen und medizinischen Zwecken genutzt. Die antiken Ärzte verwendeten die Blütenblätter als kühlendes und adstringierendes Mittel. Plinius (23 – 79 n. Chr.) nutzte sie bei Zahnschmerzen, Dioskurides (1. Jh. N. Chr.) verordnete eine Abkochung der Blütenblätter gegen Kopfschmerzen, und Hildegard von Bingen (1098 – 1178) empfahl eine Auflage der Blütenblätter bei entzündeten Augen.
Die Gewinnung von Rosenöl wurde wahrscheinlich in Persien erfunden und hat sich von dort verbreitet. Für 1 l reines Rosenöl werden 3 – 5 t Blütenblätter benötigt, die alle vormittags bis 10 Uhr gesammelt sein müssen. Ein einzelner Mensch bräuchte dafür 800 Stunden. In der Ilias wird erzählt, dass Aphrodite den Leichnam Hektors mit Rosenöl salbte. Auch in der Antike wurde Rosenöl zum Einbalsamieren genutzt. Es wurde aber durch Mischen von Blütenblättern mit Fett hergestellt.
Rosenwasser wird zur Herstellung von Marzipan verwendet; auch Lassi, ein indisches Joghurtgetränk, benötigt Rosenwasser als Zutat. Ras el Hanout („Chef des Ladens“) ist eine marokkanische Gewürzmischung, die aus etwa 25 verschiedenen Gewürzen wie Muskat, Zimt, Anis, Ingwer, Gewürznelken, Kardamom, Kreuzkümmel, Veilchenwurzel, Kümmel, Rosenpaprika und weiteren besteht. Auch Rosenknospen gehören als Zutat dazu. Ursprünglich war die Herstellung dieser Mischung allein dem Chef vorbehalten.
Sappo, die griechische Dichterin besang bereits im 6. Jh. V. Chr. die Rose als Königin der Blumen. Nach der griechischen Mythologie entstand die Blume - Symbol für Vollkommenheit, Liebe und ewige Schönheit - aus den Tränen der Liebesgöttin Aphrodite, gemischt mit dem Blut des Adonis. Im Christentum steht die weiße Rose als Symbol für Liebe, Reinheit und Unschuld. Maria wird als „Rose ohne Dornen“ bezeichnet und mit dem Kind oft in einer Rosenlaube dargestellt. Die rote Rose symbolisiert das Blut Christi, die Dornen (Stacheln) das Leiden des Gottessohns am Kreuz.
Die Schriftstellerin Gertrude Stein (1874 – 1946) prägte den Satz: „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“, um den nichtendenden Zauber der Blume und ihre Wirkung auf die Menschen auszudrücken.

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