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Hauswurz

Sempervivum tectorum

Dachwurz, Donnerwurz, Donnerkraut, Donnerbart, Dach-Hauswurz, Dachlauch, Erdrose, Steinrose, Wetterwurz

Die Hauswurz ist eine anspruchslose, ausdauernde Pflanze aus der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae). Mit zahlreichen Arten und mehreren tausend Sorten ist sie in Mittel- und Südeuropa, in den Alpen, auf dem Balkan und in den Pyrenäen heimisch. Bei uns kommt sie im Allgäu und im Moseltal vor. Sie benötigt einen trockenen, durchlässigen Boden mit kiesiger, sandiger Erde und wächst an sonnigen Standorten auf Felsen, im Gebirge und auf alten Gemäuern. Sie verträgt keinen Dünger und muss bestenfalls bei langer Trockenheit gegossen werden. Im Winter erträgt die Pflanze Kälte, benötigt dabei aber keinen besonderen Schutz.

Die Arten und Sorten der Hauswurz sind so zahlreich und vielgestaltig, dass sich viele der Pflanzen nicht genau unterscheiden oder identifizieren lassen. Außerdem kommt es ständig zu neuen Kreuzungen, weil die Pflanzen die Pollen anderer Arten oder Sorten annehmen Die Hauswurz bildet eine Rosette mit dicken, fleischigen Blättern, die grün oder rot sein können und manchmal behaart sind. Sie misst im Durchmesser meistens etwa 6 cm, kann aber bis zu 20 cm erreichen. Die länglichen oder eiförmigen Blätter dienen als Wasserspeicher. Erst im Alter von 2 bis 3 Jahren wächst aus der Blattrosette eine langgestreckte Sprossachse, die bis zu 50 cm hoch wird und rundherum mit Blättern bedeckt ist. Die rosafarbenen, gelblichen oder cremefarbenen Blüten stehen in einem doldenartigen Blütenstand am Ende der Sprossachse. Die grünen Kelchblätter sind im unteren Bereich verwachsen. Die Kronblätter sind sternförmig angeordnet. Blütezeit: Mai bis August Während der Blütezeit bildet die Hauswurz im unmittelbaren Umfeld der Pflanze Tochterrosetten, die an Ausläufern wachsen. Nach der Blüte stirbt die Rosette ab. Die Hauswurz wird vom Apollofalter als Futterpflanze genutzt.

Wild wachsend ist die Hauswurz geschützt. Sie wird oft als Zierpflanze in Steingärten, zum Bepflanzen von Trögen und als Einfassung von Gartenbeeten genutzt und eignet sich auch zur Begrünung von Dächern.

Steckbrief

- Pflanzenfamilie: Dickblattgewächse Crassulaceae
- Anwendungsbereich: Gürtelrose, Insektenstiche, Verbrennungen
- Blütenfarbe: rosa, gelb, creme
- Giftigkeit: schwach giftig
- Lebensdauer: ausdauernd

Blütezeit

Mai bis August

Verwendete Pflanzenteile

Blätter

Inhaltsstoffe

Apfelsäure, Tannin, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Schleim, Vitamin C, Kalium, Harz, Ameisensäure

Heilwirkung

Die Hauswurz wirkt – ähnlich wie die Aloe - kühlend, beruhigend, entzündungshemmend und wundheilend. Volksheilkundlich wird der Saft der Pflanze äußerlich bei Insektenstichen, Verbrennungen, Geschwüren und Hühneraugen verwendet, auch bei trockener und rissiger Haut. Bei Gürtelrose kann aus den frischen, kleingeschnittenen Blättern eine Wundauflage auf die betroffenen Hautstellen gelegt werden. Der Saft der Blätter soll auch Altersflecken, Warzen und Sommersprossen verschwinden lassen. Die fein geschnittenen, säuerlich schmeckenden Blätter eignen sich als Salatbeigabe.

Nebenwirkungen

Bei innerer Anwendung können Übelkeit und Erbrechen auftreten.

Geschichtliches

Der Gattungsname ist lateinischen Ursprungs: „semper“ = immer, „vivum“ (von vivere) = leben, ein Hinweis darauf, dass die Pflanze auch mit sehr trockenen Bedingungen zurechtkommt. Der Artname „tectorum“ nimmt Bezug auf die römische Sitte, die Pflanze auf Dächern zu kultivieren und bedeutet „auf dem Dach wachsend“.

Die Hauswurz wurde bereits in der Antike genutzt und auf die Hausdächer gepflanzt. Es ist denkbar, dass die fleischigen Blätter Strohdächer vor Funkenflug oder Blitzschlag schützten und Lehmdächer vor Auswaschung bewahrten. Karl der Große ordnete deshalb die Bepflanzung von Dächern mit Hauswurz an.

Dioskurides lobte die kühlende und adstringierende Wirkung von Hauswurz bei Verbrennungen und Geschwüren. Hildegard von Bingen sprach der Pflanze eine potenzsteigernde Wirkung zu.

Die Hauswurz gilt als alte Zauberpflanze. Ihr wurden magische Kräfte nachgesagt, die besonders wirksam sein sollten, wenn die Pflanze, die auch Bestandteil von Hexensalben war, an einem Donnerstag gesammelt wurde. In der Volksmedizin wurde die Hauswurz zum Vertreiben von Warzen genutzt. Dazu musste bei einer Beerdigung mit dem Spruch „es läutet dem Toten ins Grab, damit wasche ich meine Warzen ab“ mit einem Blatt der Hauswurz über die Warze gestrichen werden. Um Hexen abzuwehren, hängte man bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Schweiz Pflanzen der Hauswurz in den Schornstein.

Die roten Blüten der Pflanze kündigten nach alter Vorstellung ein freudiges Ereignis an, weiße Blüten hingegen, dass bald jemand sterben müsste.

Sprichwörter: Wer edle Hauswurz hält in Ehren, der kann wohl manchem Übel wehren. Und bei den Roma heißt es: Eine Hauswurz auf dem Haus ist besser als zwei Hunde vor dem Haus.

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