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Eisenkraut

Verbena officinalis

Eisenbart, Eisenreich, Echtes Eisenkraut, Eisenherz, Heiligkraut, Stahlkraut, Druidenkraut, Wundkraut, Katzenblutkraut, Sagenkraut, Herbe aux enchantemants, (frz.: Kraut der Verzauberung)

Das Eisenkraut ist in Europa, im Mittelmeergebiet, Nordafrika und Mittel- und Nordasien heimisch und fast über die ganze Erde verbreitet. Es gehört zur Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae). Zur Gattung Verbena gehören etwa 250 Arten, von denen hierzulande neben dem Echten Eisenkraut auch das Patagonische Eisenkraut (Verbena bonariensis) anzutreffen ist. Das Eisenkraut wächst meist als einjährige krautige Pflanze, die Höhen bis zu einem Meter erreicht, bevorzugt an sonnigen Standorten und auf trockenen Böden. Es besiedelt Schuttplätze und kommt an Wegrändern, Weiden, Zäunen und Mauern vor. Die Pflanze hat eine spindelförmige, weiße Wurzel, die bis zu 60 cm in die Tiefe reicht. Aus dieser wächst ein bis 80 cm hoher, im unteren Teil verholzender, vierkantiger, behaarter Stängel, an dem die sich gegenüberstehenden Seitenäste kürzer sind als der Haupttrieb. Die länglichen Blätter sind rau behaart und markant gelappt und stehen gegenständig an den Stängeln. Die unteren und oberen Blätter sind kleiner als die mittleren. Die fünfzähligen kleinen, hellvioletten Blüten stehen in ährenförmigen Blütenständen. Die Kelchblätter sind miteinander verwachsen, die Kronblätter bilden im unteren Teil der Blüte eine Röhre. Während die unteren Blüten bereits abgeblüht sind, bilden sich weiter oben an der Ähre immer neue Blüten. Diese liefern reichlich Nektar und Pollen, so dass viele Insekten angelockt werden. Auch Selbstbestäubung ist möglich. Blütezeit: Juli bis September Die Frucht ist eine in vier Nüsschen zerfallene Spaltfrucht. Die Samen werden durch den Wind oder durch Anhaftung an Tieren verbreitet.

Steckbrief

  • Pflanzenfamilie: Eisenkrautgewächse (Verbenaceae)
  • Anwendungsbereich: Entzündungen in Mund und Rachen, Verdauungsbeschwerden
  • Blütenfarbe: hellviolett
  • Giftigkeit: ungiftig
  • Lebensdauer: einjährig

Blütezeit

Juli - September

Verwendete Pflanzenteile

Blätter und obere Stängelteile mit Blüten und Früchten

Inhaltsstoffe

Glykoside (z.B. Verbenalin), Gerbstoffe, Bitterstoffe, ätherisches Öl; trotz der Namensgebung enthält die Pflanze kein Eisen

Heilwirkung

Auf Grund der Gerbstoffe wirkt Eisenkraut leicht adstringierend und entzündungshemmend. Der Bitterstoffgehalt fördert die Bildung von Magensaft. Volksheilkundlich wird der Teeaufguss bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, zur Anregung des Stoffwechsels, bei schlecht heilenden Wunden und rheumatischen Beschwerden eingesetzt, auch bei leichten Herzbeschwerden, Erschöpfung und Schlaflosigkeit. Eisenkraut wirkt Schleim lösend. Als Bestandteil von Fertigarzneien gegen Erkältung (z.B. Sinupret) hilft es bei akuten und chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen. Das Eisenkraut kann während der Stillzeit die Milchbildung anregen. Als Bachblüte Nr. 31 macht „Vervain“ entspannter und ruhiger. In heutiger Zeit wird das Eisenkraut nur selten verwendet, weil wissenschaftlich keine belegbare Wirkung nachgewiesen werden konnte.

Nebenwirkungen

Nicht bekannt; In der Schwangerschaft sollte das Eisenkraut gemieden werden, weil Wehen ausgelöst werden könnten

Geschichtliches

Der Gattungsname leitet sich vom lateinischen „verbum“ = Wort ab. In der Antike wurde auf die Pflanze geschworen – das Wort galt. Deshalb wurde das Eisenkraut auch als Pflanze der Diplomaten angesehen. Der Name „Eisenkraut“ leitet sich wahrscheinlich vom althochdeutschen „is“ für „fest, hart“ ab, womit die Eigenschaft des Stängels beschrieben wird.

Im alten Ägypten war das Eisenkraut als „Isiskraut“ der Göttin Isis geweiht. Es wurde genutzt, um Wunden zu heilen, die durch eiserne Waffen hervorgerufen waren. In der Antike genoss die Pflanze hohes Ansehen und galt als Glückspflanze. Dioskurides hielt das Eisenkraut für eines der universellsten Heilkräuter. Er sprach dem Eisenkraut Heilkräfte gegen Fieber und magische Kräfte zu.

In Rom soll es in der Nähe des Kapitols ein Eisenkrautfeld gegeben haben, auf dem man die Stängel der Pflanzen für geweihte Kränze gepflückt hat. Weil die Pflanze als Sinnbild des Friedens angesehen wurde, nahmen die Römer das Eisenkraut zur Aushandlung von Friedensverträgen mit. Zur Ehre der Götter wurde die Pflanze auf Altären niedergelegt. Mit ihr wurden auch Wunden behandelt, die dem Körper durch Eisenwaffen zugefügt waren.

Bei den Germanen galt die Pflanze als Glücksbringer bei Verhandlungen. Ihr wurde die Kraft zugesprochen, schwere Eisenketten zu sprengen. Druiden erhofften sich durch den Verzehr der Pflanze eine Stärkung ihrer Zauberkraft.

Im Mittelalter galt die Pflanze als Allheilmittel: „Wer sie trägt, schläft gut, ist frohen Mutes und nie müde.“ Außerdem wurde das Eisenkraut als Zauber- und Beschwörungspflanze genutzt. Sie war Bestandteil von Zaubermitteln, z.B. Liebestränken, die den Menschen größere Liebeskraft verleihen sollten. Eine Einreibung mit dem Saft der Pflanze sollte bewirken, dass der betreffende Mensch von allen anderen Menschen geliebt wird. Die Pflanze sollte auch Mütter und Kinder vor Schäden bewahren, Gewitter vertreiben und Eisen härten können. Vor allem sollte das Eisenkraut aber vor Verletzungen durch Eisenwaffen schützen.

In den Kräuterbüchern des 16. Und 17. Jahrhunderts wurde Eisenkraut gegen fast alle Leiden empfohlen: bei Kopfschmerzen, Augenentzündungen, Gallebeschwerden, Nierensteinen, Zahnschmerzen, Unfruchtbarkeit, Geschwüren, Hundebissen, Wunden, Haarausfall, Husten, Gelbsucht, Durchfall und Gicht.

In der Neuzeit geriet das Eisenkraut in Vergessenheit, denn sobald man in anderen Pflanzen Substanzen gefunden hatte, deretwegen bislang das Eisenkraut genutzt wurde, bevorzugte man nun die „Neuentdeckung“. Mediziner, Chemiker, Biologen und Pharmakologen sind aber schon immer auf der Suche nach Substanzen, die eine gute Wirksamkeit mit wenigen Nebenwirkungen zeigen. Deshalb werden Pflanzen mit langer Tradition – auch das Eisenkraut - inzwischen noch genauer untersucht.

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